Kaffeepreisprognose 2026–2027: Steigen oder fallen die Preise für Arabica und Robusta?
Die Kaffeepreisprognose für 2026–2027 deutet darauf hin, dass die durchschnittlichen Preise für Arabica und Robusta gegenüber den außergewöhnlichen Höchstständen der vorangegangenen Angebotsverknappung sinken könnten, Einkäufer sollten jedoch nicht mit einem gleichmäßigen oder ununterbrochenen Preisrückgang rechnen. Größere Ernten in Brasilien, eine verbesserte Produktion in Vietnam und die allmähliche Erholung des weltweiten Angebots unterstützen ein grundsätzlich rückläufiges Szenario. Gleichzeitig können niedrige zertifizierte Lagerbestände, Wetterunsicherheit, hohe Produktionskosten, Transportstörungen und eine robuste Nachfrage jederzeit neue Preisrallyes auslösen.
Aus Sicht des Jahres 2026 ist das wahrscheinlichste Szenario, dass sich die durchschnittlichen Preise im weiteren Jahresverlauf abschwächen und 2027 entweder weiter sinken oder sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren. Arabica könnte stärker unter Druck geraten, wenn die größere brasilianische Ernte ohne erhebliche Qualitätsverluste auf den Markt kommt. Robusta dürfte ebenfalls nachgeben, könnte jedoch durch die Nachfrage der Instantkaffeeindustrie, von Espressomischungen und preissensiblen Verbrauchermärkten besser unterstützt bleiben.
Steigen oder fallen die Kaffeepreise 2026–2027?
Im Basisszenario ist ein Rückgang der durchschnittlichen Preise wahrscheinlicher als ein weiterer dauerhafter Anstieg. Dennoch können Arabica und Robusta innerhalb dieses rückläufigen Trends starke kurzfristige Aufwärtsbewegungen zeigen. Einkäufer sollten deshalb zwischen der durchschnittlichen Jahresentwicklung und täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Kursschwankungen unterscheiden.
Die Weltbank erwartet nach der deutlichen Verteuerung der vergangenen Jahre eine Entspannung des Kaffeemarkts. Ihre im Juli 2026 veröffentlichte Einschätzung geht davon aus, dass Arabica im Jahresdurchschnitt 2026 um ungefähr 14% sinken und 2027 nochmals nachgeben könnte. Für Robusta wird ein Rückgang von ungefähr 18% im Jahr 2026 und ein weiterer moderater Rückgang von etwa 3% im Jahr 2027 erwartet.
| Prognosezeitraum | Arabica-Ausblick | Robusta-Ausblick | Wichtigste Erklärung |
|---|---|---|---|
| Zweite Jahreshälfte 2026 | Volatil mit grundsätzlich rückläufiger Tendenz | Weiterhin unterstützt, aber unter früheren Extremständen | Neue brasilianische Ernte trifft auf niedrige Bestände und Wetterrisiken |
| Anfang 2027 | Weiteres Nachgeben möglich | Mögliche Stabilisierung nach der Korrektur 2026 | Markt bewertet Ernten in Brasilien und Vietnam sowie den Wiederaufbau der Lagerbestände |
| Gesamtjahr 2027 | Wahrscheinlich niedrigerer oder weitgehend stabiler Durchschnitt | Stabil bis moderat niedriger | Verbessertes Angebot steht solider Nachfrage und Klimarisiken gegenüber |
Aktuelle Marktlage im Jahr 2026
Der Kaffeemarkt startete aus einem historisch hohen Preisniveau in den Prognosezeitraum. Der ICO Composite Indicator Price lag im Juni 2026 durchschnittlich bei 248,90 US-Cent je Pfund und damit 2,8% unter dem Maiwert. Innerhalb des Monats fiel der Indikator zunächst auf 231,96 US-Cent je Pfund, den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahren, bevor er sich bis zum Monatsende deutlich auf 272,39 US-Cent erholte.
Diese Entwicklung zeigt das zentrale Merkmal des Marktes: Die grundsätzliche Angebotsverbesserung kann Preise reduzieren, während Wetterberichte, knappe Lagerbestände und kurzfristige Lieferprobleme starke Gegenbewegungen auslösen. Selbst wenn der Jahresdurchschnitt sinkt, kann der Einkaufspreis innerhalb weniger Wochen deutlich steigen.
Kurzprognose für Arabica und Robusta
| Markt | Basisszenario | Wichtigster preissenkender Faktor | Wichtigster preistreibender Faktor |
|---|---|---|---|
| Arabica | Niedrigerer Durchschnitt bei hoher Volatilität | Deutliche Erholung der brasilianischen Arabica-Produktion | Niedrige Lagerbestände sowie Wetter- und Qualitätsrisiken |
| Robusta | Rückgang mit anschließender Stabilisierung | Verbesserte Produktion in Vietnam und Brasilien | Starke Nachfrage aus Instantkaffee und kommerziellen Mischungen |
Arabica besitzt ein größeres Abwärtspotenzial, wenn Brasilien die erwartete Ernte vollständig in exportfähiger Qualität liefert. Robusta kann ebenfalls nachgeben, dürfte aber durch den strukturell hohen Bedarf industrieller Hersteller und das Wachstum asiatischer Verbrauchermärkte gestützt werden.
Warum die Kaffeepreise fallen könnten
Der wichtigste preissenkende Faktor ist die Erholung der Produktion in bedeutenden Ursprungsländern. Die hohen Preise der vergangenen Jahre haben Landwirte dazu veranlasst, mehr in Bewässerung, Düngung, Pflanzenschutz, Beschneidung, Ernte und Aufbereitung zu investieren.
Folgende Entwicklungen sprechen für niedrigere Preise:
- Eine größere brasilianische Ernte
- Verbesserte vietnamesische Produktion
- Steigende Verfügbarkeit von Robusta und brasilianischem Conilon
- Zusätzliches Angebot aus der neuen Erntesaison
- Nachlassende defensive Käufe von Röstern
- Wachsendes Vertrauen in die Versorgung
- Substitution zwischen Arabica und Robusta
- Möglicher Wiederaufbau kommerzieller Lagerbestände
- Schwächere Nachfrage bei weiterhin hohen Einzelhandelspreisen
Brasiliens Ernte 2026 als wichtigster Belastungsfaktor
Brasilien ist der entscheidende Faktor für die globale Preisprognose, weil das Land weltweit der größte Produzent und Exporteur ist und sowohl Arabica als auch Conilon liefert. Die erste offizielle CONAB-Schätzung für die brasilianische Ernte 2026 lag bei rund 66,2 Millionen Säcken zu jeweils 60 Kilogramm.
Davon sollten ungefähr 44,1 Millionen Säcke auf Arabica entfallen, was einer deutlichen Steigerung gegenüber dem vorherigen Erntezyklus entspricht. Für Conilon wurde eine Produktion von ungefähr 22,1 Millionen Säcken erwartet. Bei Bestätigung wäre die Gesamternte ein neuer Rekord innerhalb der CONAB-Zeitreihe.
Eine Ernte dieser Größe kann Arabica unter Druck setzen, weil mehr physische Ware verfügbar wird, der Wettbewerb um kurzfristige Lieferungen nachlässt und Exporteure größere Mengen anbieten können. Entscheidend bleibt jedoch, wie viel Kaffee tatsächlich die Qualitätsanforderungen internationaler Käufer erfüllt.
Warum eine große brasilianische Ernte keinen sofortigen Preissturz garantiert
Eine hohe Ernteprognose bedeutet nicht, dass die gesamte Menge gleichzeitig verfügbar wird. Regen während der Ernte kann Pflückung, Trocknung und Aufbereitung verzögern. Übermäßige Feuchtigkeit kann zudem Farbe, Erscheinungsbild und Tassenqualität beeinträchtigen.
Der preissenkende Effekt kann begrenzt werden durch:
- Verzögerungen bei Ernte und Trocknung
- Qualitätsverluste durch starken Regen
- Begrenzte Verfügbarkeit hochwertiger Arabica-Partien
- Zurückhaltung der Landwirte bei niedrigeren Preisen
- Starke brasilianische Inlandsnachfrage
- Währungsbewegungen
- Engpässe an Häfen und in der Logistik
Der Markt kann deshalb zwischen der gesamten Erntemenge und der unmittelbar verfügbaren exportfähigen Ware unterscheiden.
Robusta-Ausblick für Vietnam 2026–2027
Vietnam ist der wichtigste Ursprung für die Robusta-Prognose. Hohe Kaffeepreise haben vietnamesische Erzeuger motiviert, mehr in Bewässerung, Dünger, Pflanzenschutz und die Pflege ihrer Anlagen zu investieren. Bereits für das Wirtschaftsjahr 2025/26 wurde eine Produktion von ungefähr 31 Millionen Säcken erwartet.
Bei günstigen Wetterbedingungen kann Vietnam auch 2026/27 ein hohes Produktionsniveau erreichen. Eine größere verfügbare Menge würde den Wettbewerb zwischen Exporteuren erhöhen und den Druck auf Robusta-Angebote verstärken.
Einkäufer können die wichtigsten vietnamesischen Kaffeeursprünge und Produktionsregionen vergleichen, wenn sie Robusta, Fine Robusta oder vietnamesischen Arabica beschaffen.
Warum Robusta dennoch relativ fest bleiben kann
Robusta ist nicht mehr nur ein günstiger Ersatz für Arabica. Die Sorte wird umfassend in Instantkaffee, Espressomischungen, Fertiggetränken, kommerziellem Röstkaffee und preisorientierten Einzelhandelsprodukten eingesetzt.
Robusta kann unterstützt werden durch:
- Hohe Nachfrage der Instantkaffeeindustrie
- Wachsenden Kaffeekonsum in Asien
- Nachfrage aus Schwellenländern
- Substitution von teurem Arabica
- Niedrige Bestände bei Händlern und Herstellern
- Klimarisiken in Vietnam und Indonesien
- Hohe Kosten für Dünger, Arbeit und Bewässerung
Robusta kann daher gegenüber den Höchstständen nachgeben, ohne schnell auf die deutlich niedrigeren Preisniveaus früherer Jahre zurückzufallen.
Arabica-Prognose für die zweite Jahreshälfte 2026
Das Basisszenario für Arabica ist ein volatiler Abwärtstrend. Die brasilianische Ernte sollte die physische Versorgung verbessern, während niedrige Börsenbestände und Unsicherheit über die Qualität einen gleichmäßigen Preisrückgang verhindern können.
Arabica kann fallen, wenn:
- Die brasilianische Ernte schneller voranschreitet
- Trockenes Wetter die Aufbereitung verbessert
- Die brasilianischen Exporte steigen
- Zertifizierte Lagerbestände wieder aufgebaut werden
- Röster ihre Sicherheitskäufe reduzieren
- Schwächere Konjunktur die Rohstoffnachfrage belastet
Arabica kann steigen, wenn:
- Regen geernteten Kaffee beschädigt
- Frostgefahr in Brasilien entsteht
- El Niño die nächste Ernte bedroht
- Das kolumbianische Angebot enttäuscht
- Zertifizierte Lagerbestände weiter sinken
- Investmentfonds neue Long-Positionen aufbauen
Arabica-Prognose für 2027
Der Arabica-Ausblick für 2027 hängt stark von der Entwicklung des nächsten brasilianischen Produktionszyklus ab. Wetterbedingungen in der zweiten Jahreshälfte 2026 beeinflussen Blüte, Fruchtansatz und die Erwartungen an die nachfolgende Ernte.
Im Basisszenario liegt der durchschnittliche Arabica-Preis 2027 unter den außergewöhnlichen Niveaus von 2025 und Anfang 2026. Eine Rückkehr zu extrem niedrigen historischen Preisen ist jedoch weniger sicher, weil Produktionskosten gestiegen und weltweite Lagerbestände begrenzt sind.
Ein deutlich rückläufiges Arabica-Szenario für 2027 benötigt:
- Gute Blütebedingungen in Brasilien
- Ausreichenden Regen während der Fruchtentwicklung
- Eine Erholung der kolumbianischen Produktion
- Steigende zertifizierte Bestände
- Stabile Transportwege
- Nur moderates Wachstum der weltweiten Nachfrage
Dürre, Frost, übermäßiger Regen, Krankheiten, Logistikprobleme oder enttäuschende Ernten in mehreren wichtigen Ursprungsländern könnten dagegen eine neue Preisrallye auslösen.
Robusta-Prognose für die zweite Jahreshälfte 2026
Robusta bleibt abhängig von vietnamesischen Lagerbeständen, der brasilianischen Conilon-Ernte und den Erwartungen für die nächste vietnamesische Ernte. Eine bessere Versorgung spricht für niedrigere Preise, doch die industrielle Nachfrage kann zusätzliche Mengen schnell aufnehmen.
Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass Robusta unter früheren Höchstständen gehandelt wird, gleichzeitig aber deutlich über älteren langfristigen Durchschnittswerten bleibt. Der Preisdruck kann zunehmen, wenn Exporteure stärker um Terminverträge konkurrieren und Hersteller ihre Rohstoffdeckung wieder aufbauen.
Robusta-Prognose für 2027
Robusta kann sich früher als Arabica stabilisieren, wenn die Nachfrage weiter wächst. Ein großer Teil der angebotsbedingten Preiskorrektur könnte bereits 2026 stattfinden, während 2027 nur noch ein geringerer Rückgang folgt.
Die Entwicklung wird insbesondere bestimmt durch:
- Größe der vietnamesischen Ernte
- Wetter im zentralen Hochland Vietnams
- Brasilianische Conilon-Produktion
- Indonesische Ernte
- Nachfrage nach Instantkaffee
- Substitution zwischen Arabica und Robusta
- Frachtkosten
- Verkaufsverhalten der Produzenten
Einfluss von El Niño auf die Kaffeepreise
El Niño gehört zu den wichtigsten Aufwärtsrisiken der Prognose. Die Auswirkungen unterscheiden sich nach Region und Jahreszeit, können jedoch Trockenheit in Teilen Südostasiens, unregelmäßige Niederschläge in Afrika und ungewöhnliche Wetterbedingungen in Brasilien verursachen.
Mögliche Folgen sind:
- Trockenheit in Vietnam und Indonesien
- Niedrigere Robusta-Erträge
- Unregelmäßige Blüte in Brasilien
- Starker Regen während der Ernte
- Überschwemmungen und Transportprobleme
- Höherer Krankheitsdruck
- Verminderte Bohnenqualität
Bereits Wetterprognosen können Preise erhöhen, bevor tatsächliche Ernteverluste festgestellt werden, weil Händler das Risiko zukünftiger Knappheit einpreisen.
Zertifizierte Bestände und kurzfristige Preisrallyes
Zertifizierte Börsenbestände sind ein sichtbarer Puffer für Terminmärkte. Wenn diese Lagerbestände niedrig sind, reagieren Preise empfindlicher auf Wetterberichte und Lieferprobleme, weil weniger kurzfristig lieferbarer Kaffee zur Verfügung steht.
Eine größere weltweite Ernte kann den langfristigen Ausblick verbessern, während niedrige Börsenbestände gleichzeitig kurzfristige Preissteigerungen ermöglichen. Dies erklärt, warum ein grundsätzlich rückläufiger Markt innerhalb weniger Handelssitzungen deutlich steigen kann.
Weltweite Exporte und physische Verfügbarkeit
Die weltweiten Kaffeeexporte lagen im Mai 2026 bei ungefähr 12,38 Millionen Säcken, verglichen mit 12,78 Millionen Säcken im Mai 2025. In den ersten acht Monaten des Kaffeejahres 2025/26 blieben die gesamten Exporte nahezu unverändert.
Die Verfügbarkeit wird nicht nur von der Produktion bestimmt, sondern auch durch:
- Verkaufsentscheidungen der Landwirte
- Finanzierung der Exporteure
- Inländische Lagerhaltung
- Kapazitäten der Häfen
- Verfügbarkeit von Containern
- Währungsbewegungen
- Steuer- und Regierungspolitik
- Qualitätsanforderungen
Die Produktion kann steigen, während kurzfristige Exportangebote knapp bleiben, wenn Produzenten ihre Ware zurückhalten oder Transportprobleme Lieferungen verzögern.
Nachfrageausblick 2026–2027
Der weltweite Kaffeekonsum wächst langfristig durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Kaffeekultur, Instantkaffee und steigenden Verbrauch in Produktionsländern. Hohe Einzelhandelspreise können das Wachstum vorübergehend verlangsamen, die Nachfrage nach Kaffee bleibt jedoch vergleichsweise widerstandsfähig.
Zusätzliche Nachfrage wird erwartet aus:
- China und weiteren asiatischen Wachstumsmärkten
- Vietnam und Indonesien
- Dem Nahen Osten
- Ready-to-drink-Produkten
- Instantkaffee
- Premium- und Specialty-Segmenten
Aufgrund des steigenden Konsums können mehrere gute Ernten notwendig sein, bevor weltweite Lagerbestände wieder ein komfortables Niveau erreichen.
Preisabstand zwischen Arabica und Robusta
Der Preisunterschied zwischen Arabica und Robusta beeinflusst Mischungsrezepturen und Einkaufsentscheidungen. Wird Arabica zu teuer, können Hersteller den Robusta-Anteil erhöhen, sofern Produktspezifikation und Verbraucherpräferenzen dies erlauben.
Erholt sich das brasilianische Arabica-Angebot schneller als das Robusta-Angebot, kann sich die Preisdifferenz verringern. Bleibt hochwertiger Arabica knapp, können bestimmte Arabica-Differentials trotz fallender Terminpreise hoch bleiben.
Einkäufer sollten deshalb sowohl die absoluten Preise als auch den Arabica-Robusta-Spread beobachten.
Auswirkungen von Wechselkursen
Kaffee wird international überwiegend in US-Dollar gehandelt, während Erzeuger viele Kosten in ihrer Landeswährung bezahlen. Wechselkurse beeinflussen daher die Verkaufsbereitschaft der Landwirte und die Exportpreise.
Ein stärkerer US-Dollar kann Rohstoffpreise belasten und gleichzeitig die Einnahmen brasilianischer oder vietnamesischer Exporteure in lokaler Währung erhöhen. Ein stärkerer brasilianischer Real oder vietnamesischer Dong kann die Bereitschaft reduzieren, bei einem bestimmten Dollarpreis zu verkaufen.
Fracht-, Energie- und Düngerkosten
Sinkende Terminpreise führen nicht automatisch zu einem entsprechenden Rückgang der gesamten Einstandskosten. Fracht, Versicherung, Finanzierung, Energie, Dünger und Verpackung können teuer bleiben.
Transportstörungen können erhöhen:
- Containerfrachtraten
- Transportzeiten
- Seeversicherungsprämien
- Finanzierungsbedarf
- Lagerhaltungskosten
- Risikoprämien physischer Angebote
Einkäufer sollten daher die vollständigen Lieferkosten berechnen und nicht ausschließlich New-York- oder London-Futures betrachten.
Qualitätsdifferentials können hoch bleiben
Auch bei fallenden Referenzpreisen können Aufschläge für bestimmte Ursprünge, Zertifizierungen, Screen-Größen, Defektgrenzen und Tassenprofile stabil bleiben. Wetterprobleme können die Gesamtproduktion weniger stark beeinträchtigen als die Menge hochwertiger exportfähiger Ware.
Hohe Aufschläge sind möglich für:
- Gewaschenen Arabica
- Specialty Coffee
- Robusta mit niedriger Defektrate
- Fine Robusta
- Zertifizierten Kaffee
- Rückverfolgbare Single-Origin-Lots
- Kaffee mit strengen Screen- und Feuchtigkeitsspezifikationen
Einkäufer sollten klare Qualitäts- und Compliance-Spezifikationen für Kaffee verwenden und nicht davon ausgehen, dass jeder Kaffee eines Landes dieselbe Preisentwicklung zeigt.
Drei mögliche Preisszenarien
| Szenario | Arabica | Robusta | Wahrscheinliche Bedingungen |
|---|---|---|---|
| Starke Angebotserholung | Deutlicher Rückgang | Moderater bis deutlicher Rückgang | Große Ernten in Brasilien und Vietnam, stabiles Wetter, steigende Lagerbestände und moderate Nachfrage |
| Basisszenario | Allmählicher Rückgang mit starken Zwischenrallyes | Rückgang mit anschließender Stabilisierung | Besseres Angebot wird durch niedrige Bestände, Nachfrage und Wetterrisiken begrenzt |
| Angebotsschock | Starker Anstieg | Starker Anstieg | Dürre, Frost, übermäßiger Regen, El Niño, Logistikstörungen oder enttäuschende Ernten |
Orientierende Planungsbereiche für Einkäufer
Die folgenden Bereiche sind keine garantierten Preisziele, sondern Werkzeuge für Einkaufs- und Budgetplanung.
| Szenario | Mögliche Arabica-Bewegung | Mögliche Robusta-Bewegung |
|---|---|---|
| Starke Angebotserholung | Ungefähr 15%–25% niedriger | Ungefähr 10%–20% niedriger |
| Basisszenario | Durchschnittlich ungefähr 5%–15% niedriger | Durchschnittlich ungefähr 3%–10% niedriger |
| Schwere Wetterstörung | Ungefähr 15%–35% höher | Ungefähr 15%–35% höher |
Die tatsächliche Entwicklung kann außerhalb dieser Bereiche liegen, weil der Kaffeemarkt besonders empfindlich auf Wetter, Fondspositionierung, Währungen und Lagerbestände reagiert.
Sollten Einkäufer auf niedrigere Preise warten?
Das Warten auf einen niedrigeren Markt kann Kosten sparen, wenn sich das Angebot erholt. Gleichzeitig steigt das Risiko, während einer Wetterrallye oder physischen Knappheit kaufen zu müssen.
Warten kann sinnvoll sein, wenn:
- Ausreichende Lagerdeckung vorhanden ist
- Die brasilianische Ernte gut voranschreitet
- Exportangebote wettbewerbsfähiger werden
- Zertifizierte Bestände steigen
- Der Käufer Preisschwankungen verkraften kann
Warten kann riskant sein, wenn:
- Die Lagerdeckung gering ist
- Die benötigte Qualität schwer ersetzbar ist
- Ein Wetterrisiko entsteht
- Transportzeiten lang sind
- Der Verkaufspreis des Endprodukts bereits feststeht
Gestaffelte Einkaufsstrategie
Eine gestaffelte Einkaufsstrategie reduziert das Risiko, den gesamten Bedarf zu einem ungünstigen Preis zu fixieren. Der Käufer verteilt seine Beschaffung auf mehrere Zeitpunkte.
Ein mögliches Verfahren ist:
- Den kurzfristig unverzichtbaren Bedarf sichern.
- Bei Marktrückgängen zusätzliche Mengen fixieren.
- Einen Teil für möglichen Erntedruck offenlassen.
- Maximal akzeptable Preise für Risikosituationen festlegen.
- Physische Differentials getrennt von Futures bewerten.
- Währungs- und Frachtrisiken regelmäßig prüfen.
Festpreis- und Differentialverträge
Ein Festpreisvertrag bietet Budgetsicherheit, kann aber teuer erscheinen, wenn der Markt später fällt. Bei einem Differentialvertrag wird zunächst der physische Auf- oder Abschlag vereinbart, während der Futures-Anteil zu einem späteren Zeitpunkt fixiert wird.
Die geeignete Vertragsart hängt ab von:
- Marktkenntnis des Käufers
- Volumen
- Finanzierungsmöglichkeiten
- Lieferantenbeziehung
- Lieferzeitraum
- Fähigkeit zur Steuerung des Futures-Risikos
Welche Indikatoren Einkäufer monatlich beobachten sollten
- ICO Composite Indicator Price
- Arabica-Futures in New York
- Robusta-Futures in London
- Brasilianischer Erntefortschritt
- Niederschläge und Pflanzenentwicklung in Vietnam
- Zertifizierte Arabica- und Robusta-Bestände
- Exporte aus Brasilien und Vietnam
- Arabica-Robusta-Spread
- Brasilianischer Real und vietnamesischer Dong
- Fracht- und Versicherungskosten
- El-Niño- und La-Niña-Prognosen
- Physische Differentials der benötigten Qualitäten
Einkaufscheckliste für 2026–2027
- Jahresbedarf prognostiziert
- Mindestlagerdeckung definiert
- Maximal akzeptabler Preis festgelegt
- Substitution zwischen Arabica und Robusta geprüft
- Benötigte Ursprünge und Qualitäten festgelegt
- Physische Differentials überwacht
- Frachtkosten berechnet
- Währungsrisiko bewertet
- Produktionsprognosen der Lieferanten geprüft
- Alternative Lieferanten qualifiziert
- Qualitätsspezifikationen dokumentiert
- Einkaufsplan in mehrere Phasen aufgeteilt
Risiken, die die Prognose verändern können
Jede Kaffeepreisprognose enthält erhebliche Unsicherheit, weil ein großer Teil der weltweiten Produktion geografisch konzentriert und stark wetterabhängig ist.
Die wichtigsten Aufwärtsrisiken sind:
- Starker El Niño
- Frost in Brasilien
- Dürre in Vietnam
- Übermäßiger Regen während der brasilianischen Ernte
- Pflanzenkrankheiten
- Große Transportstörungen
- Weiter sinkende zertifizierte Bestände
- Stärker als erwartete Nachfrage
Die wichtigsten Abwärtsrisiken sind:
- Brasilianische Produktion über den Erwartungen
- Starke Ernten in Vietnam und Indonesien
- Schneller Wiederaufbau der Börsenbestände
- Schwaches weltweites Wirtschaftswachstum
- Geringere spekulative Nachfrage
- Starke Verkäufe der Produzenten
- Sinkende Fracht- und Produktionskosten
Abschließende Kaffeepreisprognose
Das wahrscheinlichste Szenario für 2026–2027 ist, dass die durchschnittlichen Preise für Arabica und Robusta gegenüber den vorherigen Extremständen sinken, der Markt aber volatil und anfällig für wetterbedingte Preisrallyes bleibt. Arabica besitzt aufgrund der erwarteten Erholung der brasilianischen Produktion ein größeres Abwärtspotenzial. Robusta dürfte ebenfalls nachgeben, könnte sich jedoch aufgrund der starken industriellen Nachfrage im Verlauf des Jahres 2027 früher stabilisieren.
Das Basisszenario bedeutet keine dauerhafte Rückkehr zu sehr billigem Kaffee. Hohe Produktionskosten, Klimavolatilität, niedrige Bestände und wachsender Konsum können dafür sorgen, dass die Preise über älteren historischen Durchschnittswerten bleiben. Einkäufer sollten sich deshalb nicht auf einen einzelnen Prognosewert verlassen, sondern rückläufige, neutrale und steigende Szenarien vorbereiten.
Eine strukturierte Einkaufsstrategie sollte gestaffelte Abschlüsse, klare Spezifikationen, alternative Ursprünge, regelmäßige Marktbeobachtung und eine vollständige Berechnung der Lieferkosten kombinieren. Unternehmen, die Kaffee aus Vietnam beschaffen möchten, können die verfügbare Unterstützung für Kaffeeexport und Dokumentation prüfen oder eine individuelle Großhandelsanfrage für Kaffee mit Kaffeeart, Qualität, Menge, Lieferzeitraum und Zielmarkt senden.